#43 - Lena Cassel - Kaputte Herzen sind durchlässiger
Shownotes
- Warum Fußball für Lena mehr als ein Sport ist
- Kindheit und Verlust
- Der Weg zu sich selbst
- Identität und Authentizität
- Mentale Gesundheit
- Frauen in einer Männerdomäne
- Diversität
- ME/CFS und die Verantwortung der Medien
🎧 Die Folge als Video bei YouTube findet ihr hier: ➡️ https://youtu.be/3BFgIEPjMgw
📖 Lenas Buch „Aufstiegskampf“: ➡️ https://www.klett-cotta.de/personen/lena-cassel-p-10316
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🌙 Alle Infos zu „Hör mal, wer da liegt“: ➡️ https://www.hoermalwerdaliegt.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Hi, ich bin Pascal.
00:00:02: Herzlich willkommen in meinem Bett!
00:00:05: Jetzt mal ein bisschen anderer Podcast.
00:00:06: Ich liege aber aus Gründen hier.
00:00:08: Ich habe nämlich MECFS und eine Kopfgelenksinstabilität.
00:00:13: Kennt bisher kaum jemand, aber genau daran würde ich am liebsten mit euch zusammen etwas ändern.
00:00:20: Es wird allerdings kein reiner Krankheitspodcast, sondern Talkformat mit überraschenden und spannenden Themen.
00:00:27: Mit sehr persönlichen Gesprächen und vor allem mit unglaublich tollen Gästen!
00:00:32: Ja und weil ich natürlich nicht zu meinen Gästens kann legen sich meine Gäste zu mir in dieses Bett.
00:00:40: Legt euch gerne mit dazu.
00:00:54: Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zu einer neuen Folge.
00:00:58: Meine heutige Gästin ist mittlerweile eine der bekanntesten und erfolgreichsten Sportmoderatorinnen und Sportjournalistinnen, die wir bei uns in Deutschland haben.
00:01:08: Sie ist selber ehemalige Fußballerin.
00:01:11: Sie hat ein Buch geschrieben und sie hat auch einen eigenen Podcast den jeden Tag mehrere Zehntausend Menschen hören.
00:01:18: also da kann man schon sagen Boah, ja läuft für sie.
00:01:22: Da ist bestimmt alles richtig, richtig toll!
00:01:24: Aber zur Wahrheit gehört auch mit dazu und deswegen wird es auch heute hier im Podcast wieder sehr persönlich, dass Sie mit Ihren ein dreißig Jahren echt schon richtig viel erlebt hat.
00:01:32: Dass sie einiges verloren hat aber auch viel gelernt hat und viel draus gemacht hat.
00:01:38: Ihr Buch heißt Aufstiegskampf.
00:01:41: Für alle von euch die bei YouTube gucken halte ich das mal ganz kurz in die Linse da könnt ihr das sehen.
00:01:45: Ich hoffe der fokussiert gut Und dieses Buch hat mich Wahnsinnig berührt, vor allem auch weil ich mich mit ganz vielen Themen daraus identifizieren kann.
00:01:53: Und deswegen freue ich mich jetzt umso mehr darüber dass wir die nächsten vier fünf sechs Stunden darüber reden können.
00:01:58: herzlich willkommen Lena Kassel.
00:02:00: hallo.
00:02:01: Hallo, lieber Pascal.
00:02:02: Ich freue mich sehr und ich bin schon ganz gerührt weil du hast eine schöne, schöne dramaturgische Rampe gebaut.
00:02:06: das war clever von dir gemacht erst die ganzen erfolgreichen Sonnenseiten aufzuzählen um dann so ein kleinen Kniff und einen kleinen Cliffhanger noch einzubauen dass nicht immer alles so leicht war und so easy.
00:02:17: und ich glaube der Titel vom Boris da schon auch Programm.
00:02:21: es war ganz, ganz oft ein Kampf Und ich glaube das werden sehr viele Leute die uns vielleicht hier gerade zu hören auch wissen.
00:02:28: Es gibt immer ein vordergründiges Narrativ das Außen, was immer so glorreich und erfolgreich und toll klingt.
00:02:34: Und dann gibt es noch ein inoffizielles Narrativ.
00:02:37: Das ist manchmal ein ganz anderes.
00:02:39: Ich freue mich sehr, dass wir vielleicht heute auch über das inofficelle Narrativ sprechen.
00:02:43: Auf jeden Fall.
00:02:44: Du Medienprofi!
00:02:45: Also du hast ja auch einiges dabei gedacht, als du das Buch geschrieben hast.
00:02:49: Ich mein, da tippt man ja ein Stück weit drauf los.
00:02:51: aber so ein bisschen Struktur hast du ja irgendwie auch im Hinterkopf dabei und da freue ich mich sehr dass wir uns auf jeden Fall gleich ein bisschen intensiver und ein bisschen tiefer austauschen können über genau diese Themen.
00:03:01: Aber erstmal Ganz, ganz vielen Dank, dass du die überhaupt die Zeit nimmst.
00:03:05: Weil ich auch einfach weiß, dass gerade jemand mit deiner Reichweite und du mit deinen ganzen Projekten das ist überhaupt nicht selbstverständlich.
00:03:11: jetzt haben wir heute Freitag den neunzehnten Sechsten glaube ich wo wir hier aufzeichnen.
00:03:16: Das heißt es ist grade auch noch Fußball-Weltmeisterschaft.
00:03:19: Du kannst dich über Arbeit wahrscheinlich gerade wirklich nicht beklagen aber Ich habe das ja schon so ein bisschen raus gelesen, du brauchst das auch ein bisschen.
00:03:26: Also ich denke aktuell nur noch in Spielen.
00:03:29: Wir sind, glaube ich, aktuell bei Spiel twenty- sechs und zwanzig von hundert vier.
00:03:34: also es ist noch ein langer Weg zu gehen in diesem Sommer.
00:03:37: aber umso mehr freue ich mich auch immer mal so ein bisschen aus meiner eigenen Blase rauszubrechen und das ist natürlich aktuell gerade mit einem täglichen Podcast.
00:03:44: sehr viel Fußball dreht sich sehr sehr viel darum.
00:03:49: unglaublich dankbar dafür, dass ich immer mal wieder so Anfragen kriege wie von dir um irgendwie auch mal über was anderes zu sprechen.
00:03:56: Und ich empfinde das schon als großes Privileg ein bisschen über meine Geschichte und vielleicht auch über deine einfach andere Geschichten also nur die Fußballgeschichte zu sprechen.
00:04:05: mir macht es immer großen Spaß und ich empfehle das ja auch als Teil meiner Verantwortung wenn ich dann eingeladen werde da sich auch komme weil ich emp finde das alles anders als selbstverständlich.
00:04:17: Also hätte ich Lena mal gesagt, dann hätte ich gesagt meine Güte du wirst irgendwann mal eingeladen und die Leute wollen wissen was du zu sagen hast.
00:04:25: Dann hätte ich es wahrscheinlich nicht geglaubt und von daher ohne das jetzt so pathetisch werden zu lassen aber ich freue mich sehr hier zu sein.
00:04:32: vielen Dank für die Einladung
00:04:33: Sehr, sehr gerne.
00:04:34: Ich freue mich, dass du vor allem so schnell zugesagt hast.
00:04:36: Da können wir auch mal kurz erzählen ich habe dich einfach über LinkedIn angeschrieben.
00:04:40: Ich bin da.
00:04:40: jahrelang hatte ich da überhaupt keinen Account.
00:04:42: aber jetzt mit dem Podcast haben dann immer wieder Leute gesagt irgendwie Du musst dich da anmelden!
00:04:45: Du musst ein bisschen Netz werken und ich hab dann gedacht noch irgendwie so eine Plattform mehr die du bedienen musst irgendwie Und keine Ahnung.
00:04:52: an Tag zwei hast du mir geantwortet und hast gesagt ja und da habe ich gedacht vielen Dank an alle Die mich gedrängt haben mich da anzumelden hat schonmal richtig gut funktioniert.
00:05:00: Also ich würde immer sagen, das Uncoolste an mir ist mein LinkedIn-Profil und das würde ich immer noch mit ganz vielen Ausrufezeichen versehen.
00:05:09: Aber teilweise gebe ich dir nämlich komplett recht sind richtig tolle Dinge daraus erwachsen und es muss natürlich auch nicht immer der performative Post sein den man dann jeden Tag absetzt sondern einfach auch manchmal Mittel zum Zweck.
00:05:22: Und das hat uns hier zusammen virtuell geführt.
00:05:26: und von daher, ich kann verstehen dass viele Leute diese Website dieses soziale Netzwerk verteufeln weil es halt so performativ ist.
00:05:36: Aber manchmal braucht man's auch einfach um Zugang zu bekommen.
00:05:39: Ich habe tatsächlich auch einen anderen bekannten Kollegen der auch ein etwas kleineren Podcast hat und er hat über LinkedIn einen Trick gefunden wie man die E-Mail Adresse von Politikerinnen herausfinden kann und er hat mir den Trick nicht verraten.
00:05:54: Er hat ihn im Studium, ich glaube in der RTL-Journalisten Schule gelernt.
00:05:57: aber long story short es führte dazu dass plötzlich in seinen kleinen Fußball Podcast Annalena Baerbock zu Gast war.
00:06:04: Ach
00:06:05: was!
00:06:05: Ja.
00:06:06: Okay, da hätte ich ja auch mal noch Bock drauf!
00:06:08: Ich war ja auch bei RTL.
00:06:09: vielleicht kriege ich das noch?
00:06:10: Vielleicht kann sich irgendwie nochmal zusammenbringen, dass ich da nochmal Trick-Seventeen von ihm erfahre.
00:06:14: Absolut wir sprechen später nochmal.
00:06:17: Aber du mein Glück, dass dein Profil so uncool ist.
00:06:19: in Anführungsstrichen.
00:06:20: wer weiß uns hättest du meine Nachricht eventuell nie gelesen wenn du sonst wieder überhäuft würdest von irgendwelchen anderen Nachrichten und Einladungen usw.
00:06:29: Aber wie gesagt, ich finde das toll, dass du auch sofort gesagt hast irgendwie Du machst damit.
00:06:32: Du unterstützt dieses Projekt hier irgendwie für mehr Sichtbarkeit von ME-CFS.
00:06:36: Das hat ja dann eben alles hier in den Hintergrund.
00:06:38: Ich liege hier nicht aus Jux und Dollerei Und du hast gerade gesagt, du bist jemand.
00:06:42: Du freust dich und machst gerne viel.
00:06:44: Du bist glaube ich sehr gut durchstrukturiert und so.
00:06:47: Um dann jetzt mal die Überleitung zu bauen, weil er das was ich hier habe mit den Betroffenen, mit denen ich mich beschäftige einfach genau das Gegenteil ist.
00:06:54: Lass uns mal kurz ein bisschen über MEcFS sprechen.
00:06:57: Das mache ich eigentlich mit allen meinen Gästen am Anfang immer einmal kurz.
00:07:00: Kannst du damit überhaupt irgendwas anfangen?
00:07:02: Ist dir das schon mal irgendwo begegnet?
00:07:04: Also in den letzten Monaten immer mehr.
00:07:08: Ich hab das Gefühl, dass es jetzt endlich mal so ein bisschen medialen Druck auch bekommen hat.
00:07:14: Ich hatte schon das Gefühl ,dass es lange Zeit eher so ... So'n Randphänomen war wo sich niemand so richtig ran getraut hat, wo's immer in so ne Ecke gestellt worden ist.
00:07:24: Ja ja, da ist irgendwas psychosomatisch, dann können wir uns nicht mit beschäftigen die haben halt irgendwas und es hat denn nicht so eine Ernsthaftigkeit.
00:07:32: Und das finde ich persönlich und da wirst du vielleicht noch etwas differenziertere Meinungen zu haben würde mich auch interessieren.
00:07:38: Aber ich als Leier, als außenstehende Person habe schon das Gefühl dass es immer mehr Aktu... also immer mehr ins Medieninteresse gerückt ist in den letzten Monaten.
00:07:48: Dass es Petitionen gibt, dass es Berichte darüber gibt, daß es kleine Magazinbeiträge Popcaste drüber gibt und dass sich auch viel viel mehr Leute trauen diese Erkrankung öffentlich zu machen.
00:07:58: Und ich glaube auch da ist es wie so oft bei ja Dinge, die vielleicht jetzt nicht so sexy sind.
00:08:05: Also wer will da gerne drüber sprechen?
00:08:07: Da geht es dann auch immer viel um Sichtbarkeit und auch eine Normalität damit zu schaffen oder einen Umgang damit zu kreieren.
00:08:14: Und das wird nur über Gespräch und das wird auch nur über Berichterstattung funktionieren.
00:08:20: Von daher ja mittlerweile habe ich mehr Berührungspunkte damit.
00:08:24: aber ja ist war auch ganz lange nicht so.
00:08:28: Amen!
00:08:28: Ja, dem ist eigentlich gar nicht viel hinzuzufügen.
00:08:31: Also das ist tatsächlich so... Ich bin jetzt seit zwei, drei Viertel Jahren erkrankt und bei mir war es im Übrigen ja ähnlich.
00:08:36: ich habe zwanzig Jahre vorher in den großen Medienhäusern dieser Republik irgendwie arbeiten dürfen und hab jeden Tag irgendwie Gäste in meinen Sendungen gehabt und hätte von mir auch als Journalist irgendwie behauptet eine ganz gute Allgemeinbildung zu haben.
00:08:50: Und bevor ich selber krank geworden bin, ist mir das Thema nie Begegnet.
00:08:53: Und als ich mich dann angefangen habe damit zu beschäftigen, hab' ich rausgefunden dass die WHO das schon seit neunzehnhundertneinundsechzig führt.
00:09:00: Das ist schon vor der Pandemie zweihundertfünfzigtausend Betroffene in Deutschland gab aber wie du schon gesagt hast einfach so in die psychosomatische Ecke geschoben wurde.
00:09:08: mittlerweile sind wir zum Glück viel viel weiter.
00:09:10: es ist zwar immer noch sehr viel Luft nach oben Aber wir haben immer mehr Biomarker, die Krankheitsmechanismen werden besser verstanden.
00:09:18: Große Institutionen dieser Welt, ob die Charité in Berlin oder Stanford, Yale, Oxford forschen daran.
00:09:24: es gibt mittlerweile immer mehr Grundlage um auch Medikamentenforschung durchzuführen.
00:09:28: also da tut sich was.
00:09:30: und ja auch in den Medien.
00:09:32: Also wenn ich das vergleiche mit vor so zwölf bis vierzehn Monaten glaube ich gibt es mittlerweile Kein Radio oder Fernsehsender, keine Zeitung.
00:09:39: Keine oder wenige Podcast und online geht das ja alles noch viel schneller die noch nicht drüber berichtet hätten.
00:09:45: aber Ich hab so das Gefühl gehabt, wir hatten Anfang des Jahres so ein Peak wo wirklich ganz viel zu dem Thema kam.
00:09:51: und der Punkt ist da müssen wir halt jetzt dran bleiben.
00:09:53: Das darf jetzt nicht versickern und weniger werden weil wir einfach ohne dass jetzt mit anderen Erkrankungen zu vergleichen oder da irgendwie das aufzuwiegen gegeneinander aber wir haben halt mehr ME-CFS betroffen in Deutschland als HIV, Multiplis Glerose und Parkinson.
00:10:09: ja das sind Wahnsinnszahlen über hundertvierzigtausend Kinder alleine und deswegen is es was was die Gesellschaft Ja auch einfach stark beschäftigt.
00:10:16: Das sind ja nicht nur die Erkrankten selbst, sondern betroffen sind ja sehr viel mehr!
00:10:19: Also es sind ja Freunde, Familien, Arbeitgeber alles was dazugehört unser Gesundheitssystem ja auch.
00:10:25: und ja deswegen mit ein Grund warum ich das so toll finde dass du sagst jetzt stellst du dich auch zur Verfügung in Anführungsstrichen um da irgendwie auch etwas zuzusagen und deine Reichweite auch ein Stück weit dafür zu nutzen.
00:10:37: Absolut und ich finde halt auch nicht nur auf jeden Fall der gesellschaftliche Aspekt, den du da gerade herausgearbeitet hast.
00:10:43: Weil bei so einer Erkrankung ist es ja nicht immer nur der Erkrannte sondern das ganze System auch drum herum was leidet Umgang damit findet und keine Hilfe, keinen Support bekommt.
00:10:55: Das ist ja nicht dann immer nur der oder die eine Patient oder der Patientin sondern auch die Kernfamilie betroffen.
00:11:01: Und ich glaube aber auch das ist das Aller aller Schlimmste was zu der Erkrankung on top noch ne sage ich mal so ein Gefühl von Isolierung mit sich bringt dass du das Gefühl ich bin hier alleine und ich leide so niemand wird mir zu und Ich glaube da haben natürlich die Medien auch einen Schlüssel das sichtbarer zu machen damit eben das Leid der Betroffenen auch ein wenig zu senken, insofern dass die Geschichten erzählen von Menschen denen es ähnlich ergangen
00:11:28: ist.
00:11:29: Ja, absolut.
00:11:29: Da hast du auf jeden Fall einen Punkt!
00:11:30: Also einerseits dieses Gefühl ich bin nicht allein mit dieser Situation und auch oft der sehr verzweifelten Ausgangslage weil trotz der Berichterstattung oder auch der Forschung haben ganz viele Erkrankte ja immer noch keinen angemessenen Pflegegrad oder der Werbsminderungsrente oder gerade der Behinderung alles was dazugehört.
00:11:47: die Leute haben oft doch eben wahnsinnig finanzielle Sorgen neben den ganzen körperlichen Sachen die hier auch dazu führen dass im übrigen leider sehr viele junge Menschen sich das Leben nehmen, den assistierten Suizid in Anspruch nehmen.
00:11:58: Da passiert leider auch wahnsinnig viel wichtig drüber zu sprechen.
00:12:02: Das ist die Connection und das andere ist einfach... dass das mit eins der Hauptprobleme der Erkrankung ist.
00:12:07: Ich hab jetzt das große Glück im Vergleich zu anderen Betroffenen, dass ich hier liegen und mit ihr sprechen kann.
00:12:12: Bei mir geht's im Liegen.
00:12:13: Bei mich fangen die Probleme an, wenn ich versuche aufzustehen, mich hinzusetzen oder zu gehen, irgendwelche großen Sachen zu machen.
00:12:19: Es gibt ja eben aber auch ganz viele andere Betroffene, denen es so schlecht geht, dass sie wirklich den ganzen Tag nur noch im Dunkeln liegen.
00:12:25: Mit Kopfhörern, mit Augenschutz, die teilweise nicht mehr sprechen können.
00:12:30: Und das sind einfach Menschen, Die sind einfach weg, und für diese Isolation natürlich noch viel schlimmer.
00:12:39: Und umso wichtiger ist es halt eben das in den Mittelpunkt zurück.
00:12:42: Aber deswegen einfach an der Stelle.
00:12:43: nochmal danke dass du dich dann auch mit dem Thema so auseinandersetzt und beschäftigst und einfach dann auch Gast hier bist jetzt?
00:12:49: Na absolut!
00:12:50: Ich weiß selber vielleicht nicht im Hinblick auf eine Erkrankung aber ich weiß selber, dass manche Dinge im Leben passieren die einen komplett den Boden unter den Füßen weggreißen.
00:12:59: Und ich weiß auch, dass es aber manchmal ein gutes Gespräch eine kleine Begegnung, ne schöne Zeile, ein toller Song ganz viel bewegen und bewirken kann.
00:13:11: Wenn ich nur einen Satz heute sage wo ein anderer Person irgendwo liegt und sagt meine Güte das hat mir heute den Tag ein bisschen leichter gemacht dann wäre mir das ne große Freude und ich wäre töricht diese Chance nicht wahr zu nehmen.
00:13:25: Ach, das hast du wunderschön gesagt.
00:13:27: Das finde ich ganz toll und genau das ist die DNA dieses Podcastes dieser Gespräche, die ich führe.
00:13:32: Und ich bin mir ganz sicher, dass da nicht nur Einsatz dabei sein wird wenn wir jetzt gleich ein bisschen ausführlicher über das sprechen was Lena Kassel in ihrem Leben schon erlebt hat Du bist ja auch mit der Geschichte schon häufig in Talkshows gewesen bis unterwegs gewesen hast viel aus deinem Leben erzählt Was ich grundsätzlich einfach sehr bewundernswert finde weil wir gleicher hören werden um was für Themen es alles geht.
00:13:51: Wie fühlst du dich eigentlich damit?
00:13:53: Also man kann zum Beispiel ja Künstlerinnen und Künstlern, MusikerInnen fragen wie die sich fühlen wenn sie so ihr Inneres nach außen stülpen.
00:14:00: Aber bei dir ist es ja nochmal was ganz was anderes.
00:14:02: Du hast über so wahnsinnig persönliche Themen gesprochen, du hast über das Thema Tod gesprochen.
00:14:06: deine Eltern spielen dann eine ganz große Rolle Über deiner eigenen Identitätsfindung Was dich dein Leben lang begleitet hat.
00:14:13: auch orientierungslos zwischendurch gewesen zu sein Und diese ganzen Dinge aufzuschreiben Und dich quasi nackig zu machen in der Öffentlichkeit erreicht ja auch Menschen, die dir vielleicht nicht so wohl gesonnen sind.
00:14:26: Ich habe da immer einen riesen Respekt davor!
00:14:28: Wie ging es dir damit?
00:14:30: Es ist ganz spannend weil das ist die allermeiste Reaktion, die ich entgegen gebracht bekommen habe von ganz ganz vielen Menschen dass sie mir im allerersten Satz gesagt haben Das ist aber mutig von dir und ich reagiere darauf immer ein bisschen verdutzt Weil ich weiß, dass dahinter eine Annahme steckt dass wenn man sich verletzlich zeigt, das dann Gegenwind kommt.
00:14:52: Das heißt, wenn man in den Sturm stellt, die Gefahr läuft umzufallen und ich habe das so überhaupt nicht erlebt.
00:15:02: Ich weiß, dass du mal unter einem Post von mir geschrieben hast, es war übersetzt, kaputte Herzen sind durchlässiger.
00:15:12: ein ganz toller Satz.
00:15:13: und ich würde Ihnen ergänzen Offene Herzen sind durchlässiger, vor allen Dingen für Austausch und Verbundenheit.
00:15:24: Wenn du dich ein bisschen öffnest und die Maske fallen lässt und dich damit auch offener präsentierst... dann ist das auch eine Einladung für das Gegenüber.
00:15:35: So habe ich das erlebt.
00:15:36: und also, ich kann es an einer Hand abzählen dass sich in irgendeiner Form eine komische Reaktion ein... die will doch nur Aufmerksamkeit oder was auch immer bekommen habe.
00:15:47: ganz im Gegenteil Ich würde mit ganz ganz viel Liebe empfangen Mit ganz ganz vielen Leuten die gesagt haben meine Güte Ich danke dir so sehr, dass du es angesprochen hast.
00:15:57: Ich fühle das genauso oder dass du mir einen anderen Outlook auf die eine oder andere Sache gegeben hast.
00:16:03: ja weil ich bin natürlich auch ein sehr lebensbejarender Mensch.
00:16:06: Ja?
00:16:06: Ich habe eine ganz große Demut vor dem Leben selbst.
00:16:09: Ich bin unfassbar dankbar hier sein zu dürfen gesund zu sein irgendwie agil zu sein das machen zu dürfen was sich irgendwie mag und dementsprechend will ich mich von den Sachen die nicht so gut gelaufen sind in meinem leben lassen.
00:16:24: Also jeder einzelne Person ist mehr als das und hat im wahrscheinlichsten Fall dazu geführt, dass man ein Mensch ist der unglaublich empathisch ist.
00:16:34: ich habe das Gefühl wenn Menschen richtig viel Scheiße erlebt haben dann haben sie eben dieses offene Herz weil Sie auch immer wieder diesen Perspektivwechsel hinbekommen eine ganze Gefühlspalette schon erlebt haben im Leben, nicht nur gut sondern mittelgut schlecht sehr schlecht beschissen.
00:16:50: Das heißt man wird unglaublich empathisch so und das nach außen zu tragen und zu zeigen und offen mit auch seinen Unzulängnigkeiten umzugehen.
00:16:59: Das hat auch allen voran zu einer inneren Befreiung meinerseits geführt weil vorzugeben jemand zu sein der man eigentlich nicht ist es unglaublich.
00:17:11: Das hat mich wahnsinnig aufgefressen.
00:17:13: und ja, dass es zu diesem Buch kam und ich da alles aufgeschrieben habe.
00:17:17: Das war jetzt kein Plan von mir sondern ich wurde irgendwann gefragt ob ich dieses Buch schreiben wollen würde.
00:17:23: Witzigerweise war die Anfrage damals wie folgt Lena bald ist ja die Frau ne M du hast doch mal Fußball gespielt und du bist eine Frau.
00:17:31: willst du nicht ein Buch schreiben?
00:17:33: kein Scherz.
00:17:34: Und dann habe ich erst mal abgesagt und hab gesagt, auf gar keinen Fall!
00:17:37: Ich habe dafür gar keine Zeit, werde ich nicht machen... ...und dann haben sie irgendwie lange gebohrt und haben gesagt hey wir geben dir auch über zwei Jahre Zeit dafür.. ..und du kannst in dem Tempo schreiben wie du halt schreiben möchtest.
00:17:50: Dann habe ich einfach mal angefangen und was dabei herausgekommen ist das war vorher gar nicht geplant.
00:17:55: Ich habe einfach das was mir in den Kopf gekommen ist aufgeschrieben und ich würde dass übrigens jedem einzelnen auch mal empfehlen, ein weißes Blatt Papier oder eine weiße Word Datei oder eine Sprachnachricht ins Handy einsprechen.
00:18:08: Was sind die Geschichten, die einen in den Kopf kommen wenn man den Auftrag hat, eine eigene Biografie zu verfassen?
00:18:15: Und ich kann euch sagen es sind nicht die offensichtlichsten Geschichten ,die in diesem Buch stattfinden sondern ist sind die leisen und die die irgendwo im Unterbewusstsein hängen da wo die Gefühle sitzen, die kommen nach oben.
00:18:26: Ach was für eine wunderbare Einstellung.
00:18:28: ja!
00:18:28: Ich resoniere sehr damit.
00:18:31: Also es hilft glaube ich grundsätzlich immer mal, weil man dann feststellt in diesen Momenten wenn man irgendwas aus dem Kopf zu Papier bringt dass man eine andere Perspektive einfach hat.
00:18:40: Man ist auf einmal so ein bisschen in so einer Beobachterrolle und man macht einen Schritt zurück und guckt sich das große Ganze von außen manchmal an Und dann fallen einem ganz oft irgendwie Dinge auf die einem vielleicht vorher nicht aufgefallen sind und ich finde Das ist dir in diesem Buch wahnsinnig gut gelungen.
00:18:53: einfach weil du zwar klar irgendwo ein Status quo beschrieben hast du schon durch an einen so war's, aber da dann nie stehen geblieben bist und immer irgendwie eine Lehre für dich daraus gezogen hast oder das zumindest irgendwie einordnen kannst auf eine gewisse Art und Weise.
00:19:07: Oder manchmal ja auch retrospektiv, dass da Sachen dabei sind von denen du sagst, aha!
00:19:11: Das ist mir in dem Moment natürlich nicht bewusst gewesen, aber jetzt so rückblickend betrachtet waren da ganz viele spannende Momente dabei.
00:19:19: Ich überlege die ganze Zeit wie ich dich eigentlich kennengelernt habe.
00:19:23: Ja,
00:19:23: das würde mich auch wundern.
00:19:24: Also wie war das denn eigentlich?
00:19:26: Ja
00:19:26: ich komme immer wieder an diesen Punkt zurück weil im Grunde mal beginnt die Geschichte da auch in deinem Buch.
00:19:31: Das passt eigentlich ganz gut.
00:19:32: jetzt.
00:19:35: Ich habe dich das erste Mal im Fernsehen gesehen, da warst du nicht zu übersehen.
00:19:37: Das muss man einfach mal glasklar sagen!
00:19:40: Das war Fußball Champions League Abend bei Amazon Prime und dann standst du da und hast diesen knallpinken Anzug angehabt und ich war erstmal erschlagen quasi und hab gedacht wer ist denn sie?
00:19:50: So, ich kannte dich vorher nicht, habt ihr dann zugehört.
00:19:53: Ich muss auch ganz ehrlich sagen, ich konnte es am Anfang nicht so richtig irgendwie einordern.
00:19:57: Ach ja, voll unsympathisch eigentlich so ein bisschen auch aus Medienmacher Sicht betrachtet.
00:20:04: Ich denke dann mal gucken was die kann wie sie sich präsentiert und ich fand es sensationell dass du einfach komplett du warst von Sekunde eins an in dem Buch beschreibst du jetzt das diese Situation für dich natürlich.
00:20:15: das finde ich so schön dass man da die Einblicke bekommt natürlich ganz anders war aber erzählt das mal so aus deiner Perspektive bevor wir darüber reden wie's überhaupt zu diesem Moment gekommen ist wie du überhaupt dahin gekommen bist irgendwann Wie war das für dich?
00:20:27: Beschreib es noch mal aus deiner Sicht ein kleines bisschen, weil das finde ich unglaublich unterhaltsam aber auch irgendwie wahnsinnig faszinierend.
00:20:34: Ja und das Ding ist so man sieht ja wenn man irgendwie jetzt Fernseh schaut oder eine TV-Übertragung Fußballspiel whatever dann sieht man ja so ein bisschen die Spitze vom Eisberg.
00:20:44: Da drunter befindet sich ein ganzer Berg.
00:20:48: Und das ist, glaube ich sehr beschreiben für diese Situation.
00:20:51: Das war meine aller aller aller erste Live-Moderation die ich je gemacht habe.
00:20:56: Ich war ja auch nicht auf einer Journalistenschule oder hab Moderation irgendwie Training gehabt oder was auch immer.
00:21:02: also ich bin ja eigentlich durch die Liebe zum Fußball zu dem gekommen was ich jetzt mache aber ganz sicherlich nicht weil ich ein gutes Handwerk besaß.
00:21:09: Also wurde einfach nicht ausgebildet und plötzlich schmiss man in diese Show und ich fand mich in einem Studio wieder mit irgendwie sechs Kameras, einem Kamerakran ganz vielen Menschen künstlichem Licht.
00:21:23: Und dann sollte jetzt hier die Champions League moderieren.
00:21:27: Es war natürlich wahnsinnig absurd!
00:21:29: Vor allen Dingen weil ich jemand bin der eigentlich unglaublich gerne in Kontrolle ist.
00:21:34: Ich mag gerne... Da fühle ich mich auch am wohlsten wenn ich weiß was auf mich zukommt, wenn ich Dinge vorher absehen kann.
00:21:40: Ja es gibt ja dann auch unterschiedliche Leute die sich unterschiedlich dann auf solche Situationen vorbereiten.
00:21:45: Bist du jemand, der Satz für Satz auswendig lernt oder machst Du den hier Stichpunkte?
00:21:50: Ich war jemand, Der Satz Für Satz Auswendig gelernt hat so!
00:21:53: Das habe ich mir vorher im Mund-Hellzimmer.
00:21:55: Die ganze Zeit auswendigt gelernt jeden einzelnen Satz jedes kleine und das ist natürlich für eine live Sendung sehr, sehr schwer wenn du das so machst.
00:22:05: Und ich hatte die Nacht davor auch keine Sekunde geschlafen weil ich so aufgeregt war und mir war kotzübel ich konnte nichts essen kurz davor das Ding abzusagen.
00:22:16: Weil ich dachte, ich bin nicht diese Person!
00:22:19: Ich bin nicht die Person, die die Champions-Sieg moderiert.
00:22:23: Das ist weh anders so.
00:22:24: Warum soll ich das machen?
00:22:25: Ich kann das nicht und plötzlich... Also eigentlich der perfekte Albtraum.
00:22:29: ja wirklich Leute.
00:22:31: Jeder der mal in einer schlimmen Prüfungssituation geträumt hat und dachte ich bin doch gar nicht vorbereitet und alle kriegen es mit und dann auch noch von einem Millionen Publikum.
00:22:39: Es war der perfekt Albtraum.
00:22:41: und wenn ich mir jetzt nochmal so ein bisschen dieses Bild, ich habe das noch ganz deutlich vor Augen dieser pinke Anzug und diese riesigen weißen Schuhe.
00:22:50: Das heißt ich wurde auch einfach in dieses Outfit gesteckt ja?
00:22:54: Das war jetzt auch nicht etwas was ich mir ausgesucht hatte
00:22:57: sondern
00:22:57: dass also ich hatte quasi auch noch eine Verkleidung an und dann sollte ich irgendwie auch noch was machen was ich zuvor noch nie in meinem Leben gemacht habe.
00:23:07: Und ich vergleiche es ja, glaube ich in dem Buch mit einem Versuch einer dreijährigen Fahrrad zu fahren und ich würde das bis heute genauso unterschreiben.
00:23:16: Also es war schon wahnsinnig wild!
00:23:18: Es war natürlich damit und was du auch gesagt hast authentisch weil's unperfekt war.
00:23:24: Ich hab mich viel zuviel bewegt, ich habe irgendwie rumgehampelt.
00:23:27: Es war irgendwie gar nicht so wie man eigentlich Moderatorinnen kannte aber ich war ja auch keine.
00:23:33: Also von daher war ich in den Sinn authentisch weil ich einfach das gemacht habe was sich in dem Augenblick war nämlich wahnsinnig unerfahren und wahnsinnigt nervös und die konnte es auch nicht verstecken Und ich bin heilfroh dass ich irgendwie diese Show überstanden habe.
00:23:48: Und jetzt bin ich mittlerweile im vierten Jahr, wo ich das Ganze moderiere und wenn ich noch mal darauf zurückblicke.
00:23:55: Ja es war nicht ausschließlich ein schöner Moment muss ich ehrlich sagen weil das war schon richtig richtig tough und ich habe mich nicht so richtig unter Kontrolle gehabt und dass ist für eine Person wie mich wirklich ein großes Problem gewesen.
00:24:09: aber Offensichtlich habe ich dich ja nicht ganz vergrault.
00:24:13: Das gibt mir jetzt gerade nachhaltig noch ein ganz gutes Gefühl.
00:24:16: Ja, du, ich glaube nicht das meine Meinung da die entscheidende war in der Situation sondern die Leute, die dich da reingeschmissen haben, haben ja erst erstmal an dich geglaubt.
00:24:23: Haben das ja gemacht?
00:24:24: Das war ja vor auch nicht immer so.
00:24:26: Da können wir gleich ja nochmal drüber sprechen.
00:24:28: aber Ich hab's geliebt und Du hast grad'n ganz ganz wichtiges Wort dabei genannt Authentizität.
00:24:33: also wenn ich junge Moderatorin ausbilde Und die genau das machen was Du auch grade gesagt hast dieses oft alle auswendig lernen und die haben vielleicht auch Vorbilder, ja.
00:24:42: Die haben irgendwelche Roll-Models wo sie genauso klingen möchten oder so dass ich dann immer relativ früh versuche denen zu sagen hey die Verbindung zu den Leuten die dir zugucken und zuhören die entsteht nicht dadurch das du perfekt performst sondern die entstehen da durch dass die Leute dir glauben was du sagst dass du er hat bist in dem was du machst.
00:24:58: und genau das hast du gemacht.
00:24:59: und ich glaube das ist auch grad ein bisschen.
00:25:02: ja nicht bei allen sendern es ist ja auch mal ein bisschen Angebot und Nachfrage das Format ist ja noch immer so ein bisschen die Frage wo will man hin?
00:25:09: Aber ich glaube, dass wir mit Authentizität gerade immer mehr unseren Frieden schließen oder immer mehr Menschen einfach und wir merken KI zum Beispiel kann supergut Informationsvermittlung.
00:25:19: Ja aber eine echte Verbindung herstellen zu Menschen können auch weiterhin nur Menschen.
00:25:24: deswegen freue ich mich wahnsinnig Dass du da bist wo du bist und dass du diese Chancen bekommen hast die du bekommen hast.
00:25:29: weil wie gesagt das war ja nicht immer so Das lief auch vorher bei dir schon mal anders.
00:25:34: Das ist so.
00:25:35: Und ganz, ganz spannend generell glaube ich auch eine Situation wie es überhaupt zu dem kommen konnte.
00:25:42: also für alle Leute die vielleicht noch gar keine Ahnung haben wer ist diese Frau eigentlich gerade die da redet?
00:25:47: und ja sie ist Moderatorin aber okay Ich komme eigentlich aus einem Haushalt der ganz fern von einem Akademikerhaushalt war.
00:25:56: Also ich bin die einzige in meiner Familie gewesen Die studiert hat ich bin überhaupt die einzige gewesen fast schon Abitur gehabt hat.
00:26:05: Also das war sehr, sehr untypisch und trotzdem hatte ich auch jetzt nie so das Ideal, dass will ich mal machen?
00:26:11: Ich will jetzt irgendwann Moderatoren werden!
00:26:13: Ganz im Gegenteil für mich ging es auf viel um Geld verdienen denn ich kann nicht nur aus einem Nicht-Akademikerhaushalt sondern auch eher aus dem Haushalt sagen wir mal wo das Geld knapp war.
00:26:23: Das bedeutet Geld hatte eine unglaublich hohe Wichtigkeit aber es ging weniger darum, dass du etwas machst, wo du dich selbst verwirklichen kannst, sondern es ging schlicht und ergreifend um verdienen.
00:26:33: Ja und mein allererstes Geld habe ich bei Rewe an der Kasse verdient, das Geld danach bei der deutschen Post beim Briefe sortieren und es war überhaupt nicht abzusehen dass sich das mache was ich jetzt mache sondern ganz im Gegenteil.
00:26:46: Ich wusste ich hatte ein wahnsinnig schlechtes Abitur, drei Komma zwei Schnitt glaube ich, fast das Abiturschiff.
00:26:53: Also du stehst besser da!
00:26:55: Das höre ich selten.
00:26:58: Aber es war wirklich spitze auf Kopf, ob ich das schaffe oder nicht.
00:27:02: Und dann saß ich irgendwann in einer Univorlesung ... In meinem Bachelorstudium.
00:27:08: Ich glaube, es lief eine Europameisterschaft und ich guckte während der Vorlesung auf meinem Handy ein EM-Spiel.
00:27:14: Ja!
00:27:15: Und neben mir saß er einen Kommunitone den ich gar nicht kannte.
00:27:18: Ich merkte aber nur dass er immer wieder so auf meinen Handyschilde.
00:27:20: Leute kennen das vielleicht wenn man in der Bahn sitzt, man merkt, wenn der andere auf das Handyshield ja also von links kam so'n Blick auf mein Handy Und er guckte und guckt und wollte offensichtlich mit mir dieses Spiel schauen.
00:27:32: Darüber kamen wir ins Gespräch, es stellte sich heraus nach ein paar Wochen das er bei der Sportschau arbeitete.
00:27:39: Das war mein Kontakt dann zur Sportschau.
00:27:41: Er meinte nämlich zu mir, ach krass du spielst Fußball?
00:27:44: Du interessierst dich für Fußball?
00:27:46: Lustig!
00:27:46: Ich arbeite bei der sportschau und wir suchen gerade Werkstudentinnen.
00:27:49: Prämia auf viele Mädchen.
00:27:51: also wir wollen Frauen haben so.
00:27:53: Willst du dich nicht einfach mal bewerben?
00:27:54: Okay, also ich weiß wie viel drei Kilo Kartoffeln wiegen und wie man Briefe wegschickt.
00:27:59: Aber ich weiß Gott nicht, wie ich in der Sportredaktion arbeiten soll!
00:28:04: Ich dachte, ich habe nichts zu
00:28:05: verlieren.".
00:28:06: Und so fing das an ja?
00:28:07: Also manchmal sind es so wahnsinnig kleine Momente die einfach passiert sind und deshalb fällt es mir auch so schwer irgendein Ratschlag zu geben wenn Leute mich fragen was für ein Ratschlag würdest du jungen Menschen geben, die das machen wollen, was du machst?
00:28:22: Ey, ich glaube einfach... wenn überhaupt einen offenen Blick behalten und nicht so versteift sein.
00:28:28: Ich bin wahnsinnig froh, dass ich gar kein Ziel hatte!
00:28:30: Weil ich glaube das weitet den Blick... Wenn du so ganz krass darauf fokussiert bist, ich will das und das in meinem Leben Dann verpasst du manchmal auch ein bisschen zauber Und vielleicht auch die einzige Artigkeit eines Zufalls.
00:28:46: Das war einfach nur die Situation in diesem Hörsaal Und das kannst Du ja nicht planen.
00:28:52: Ja, es ist also ganz oft dieses zur richtigen Zeit am richtigen Ort einfach gewesen zu sein.
00:28:58: Aber ich mein immerhin er hat ja gespürt dass du diese Leidenschaft für Fußball hast und du hast da durch deine ganze Geschichte auch eine ganz besondere Verbindung eben zum Fußball.
00:29:05: das hast Du eben ja schon mal ganz kurz angerissen.
00:29:07: Wann war denn der Moment bei dir wo du gemerkt hast das Fußball für dich mehr ist als einfach nur das Gekicke?
00:29:12: Also mehr als nur ein Hobby das dir das einfach sehr viel mehr gibt?
00:29:16: Ich glaube ich würde dann drei Situationen rauspicken.
00:29:19: Ich glaube, die allererste Situation ist also sich das allerereste Tor geschossen habe in meinem Leben.
00:29:25: Also ich weiß Gott nicht talentiert am Anfang.
00:29:27: Ich hab mich für alles interessiert außer den Fußball aber ich habe halt einmal ein richtig schönes Tor geschoss und ich weiß es war das erste Mal dass ich mit dem Fußball Geld verdient habe übrigens das einzige mal bisher in meinem leben danach kam nie wieder Geld.
00:29:41: Aber das war als ich noch sehr jung war Und mein Opa Herbert an der Seitenlinie stand mir für mein Tor fünfzig Euro in die Hand gegeben hat.
00:29:49: Und ich dachte, wow!
00:29:51: Also das waren natürlich viel mehr als das Geld.
00:29:53: Das war pure Anerkennung und ich habe gemerkt, dass fühlt sich richtig gut an.
00:29:56: Ich will das hier kann nicht ein Unterschied ausmachen ja?
00:29:59: Und ich glaube
00:30:01: Tor der Marke, Tor des Monats.
00:30:02: Absolut
00:30:03: in meiner Wahrnehmung auf jeden Fall.
00:30:05: Ja also kann vielleicht auch nur fünf Meter entfernt gewesen sein vom Tor aber in meiner wahrnehmungen waren es zweihundert Meter.
00:30:11: Und war wirklich so mit fünfzehn, sechzehn.
00:30:16: Als ich dann auch in meiner Fußballmannschaft, als ich bei den Frauen gespielt habe das allererste Mal eine Frau geküsst habe.
00:30:24: Das war damals die Torhüterin in meiner Mannschaft und ich habe eben durch den Fußball auch den Weg zu meiner Sexualität gefunden.
00:30:31: Und da hab' ich auch gemerkt, Hopala... Das hier ist aber auch mehr als nur der rollende Ball.
00:30:36: Hier passiert vielmehr und abseits des Platzes, als auf dem Platz.
00:30:40: Und das war schon so.
00:30:41: das erste Gefühl von okay, hier fühle ich mich richtig wohl!
00:30:44: Hier gehöre ich hin.
00:30:45: Hier sind alle wie ich.
00:30:46: Hier darf ich so sein, wie ich bin.
00:30:48: Wir hatten aus so einem... glaube ich so eine Form von Sisterhood in dieser Kabine und da habe ich schon gemerkt, hier fühle ich mich richtig wohl.
00:30:55: Und ich glaube die dritte Situation wo ich dachte ey ich liebe diesen Sport und mit allem was dazu gehört war glaube ich schon der Tod meines Vaters als ich dann, äh, sechzehn-sebzehn war, wo ich dann auch gemerkt hab, hier habe wo ich hingehen kann.
00:31:11: Diese Mannschaft, diese Kabine und hier bleibt erst mal alles gleich.
00:31:13: Alles war so brüchig im Außen.
00:31:15: Und hier bleibt alles gleich!
00:31:16: Hier habe ich meinen Platz, hier sehe ich immer die gleichen Leute... ...und das hat mir unglaublich viel Stabilität gegeben.
00:31:22: Von daher würde ich immer sagen auch wenn man mich jetzt fragt wie begleitest du diesen Sommer?
00:31:28: Wie begleittest du generell den Fußball?
00:31:30: Ich sage immer als allererstes, dass ich ein Fußballfan bin Das steht über allem.
00:31:34: Und egal, wenn das alles irgendwann mal wegbrechen sollte ja ich werde nicht mehr gebucht den Podcast wird auch keiner mehr dann ist dass was bleibt weil das stand auch am Anfang diese Liebe für diesen Sport und das werde ich mir behalten egal was passiert.
00:31:47: und Ich bin unglaublich froh, dass sich diesen Zugang gefunden habe Weil ganz viele Leute wissen das gar nicht.
00:31:55: Was sie mögen wo sie sich zugehörig fühlen Bin unglaublich dankbar, daß ich den Fußball gefunden
00:32:00: hab.
00:32:00: Das klingt total toll.
00:32:02: Identitätsstiften, das ist ja auch vor allem das was Vereinsfußball bei uns in Deutschland sehr kann und was ich daran einfach so toll finde.
00:32:09: und ich finde das spürt man wenn du drüber sprichst aber natürlich auch jedes Wort dass man in deinem Buch liest Du sprichste halt nicht einfach nur über Fußball sondern du fühlst Fußball und du bist Fußball einfach bis zu einem gewissen Grad.
00:32:20: Das bist einfach Du, das hat einfach was mit Dir als Mensch zu tun und mit allem was Du erfahren hast.
00:32:26: halt vorher weil Du es ja eben auch schon kurz angerissen hast Deine Familie das war ja alles wirklich nicht leicht.
00:32:32: Ja also Du bist wenn ich das richtig im Hinterkopf habe Mit deiner Schwester bei deiner Mutter aufgewachsen.
00:32:36: dein Vater war ja schon früh Nicht mehr da in Anführungsstrichen Obwohl du Kontakt zu deinem Vater hattest War der aber auch nicht ganz leicht.
00:32:43: über verschiedene Umstände.
00:32:45: Da waren schon viele Steine auch in deinem Weg, die du erst mal zu einer Treppe stapeln musstest.
00:32:51: Das stimmt schon und ich habe lange damit gehadert muss ich ehrlicherweise gestehen.
00:32:55: und ich hab ganz, ganz lange mich immer gefragt warum ich... Warum kann es nicht leichter sein?
00:33:00: Ich habe immer nach rechts und links geguckt.
00:33:01: Auch alle anderen haben's viel besser.
00:33:04: und warum ich?
00:33:05: und ich war wahnsinnig destruktiv Und hat das wirklich so tief verinnerlicht und ich arbeite immer noch daran dass das weniger wird schlechte Dinge passieren.
00:33:16: Und das wurde irgendwann zu so einem Glaubenssatz, wenn du dir immer sagst warum ich?
00:33:21: Warum jetzt?
00:33:23: Ja es geht nicht darum die schlechten Dinge die passiert sind sie zu glorifizieren.
00:33:27: Es sind auch richtig viele scheißdinge passiert und da will ich auch nicht den guten Blickwinkel Zu finden sondern das sind einfach sinnlos und Scheiße gewesen.
00:33:35: ja absolut wir neigen manchmal ja dazu dann aber guck doch guckt doch blick doch mal so darauf nie manche dinge dürfen auch einfach Scheiße sein.
00:33:43: Und das können wir auch einfach aussprechen und können auch einfach sagen, nein daran finde ich nichts Gutes!
00:33:48: Ja
00:33:49: du wir könnten gerade auch die Plätze getauscht haben.
00:33:51: diese Gespräche dieser Art dass sage ich auch immer gerne und toxische Positivität bringt dich auch nirgends hin.
00:33:56: so
00:33:56: nirgens bin ich auf der Meinung und vor allen Dingen glaube ich irgendwann hat es dann schon auch bei mir klick gemacht dass sich ja schon auch weiß dass ich glaube nicht die Person wäre die jetzt bin, wenn das alles reibungslos gelaufen wäre.
00:34:13: Also genau da nochmal dein Zitat bemühend kaputte Herzen sind durchlässiger und das wäre glaube ich ein bisschen anders gewesen, wenn ich einen ganz, ganz heiles Herz haben würde ja?
00:34:24: Und von daher, ich glaube Leon Winscheid hat mal den Begriff des psychologischen Reichtums bemüht.
00:34:30: Das heißt eigentlich dass die Dinge, die uns widerfahren sind, die auch schlecht waren dazu geführt haben Und das habe ich ja vorhin schon gesagt, zum Beispiel unglaublich hohe Empathie entwickeln können.
00:34:42: Dass wir resilient sind und anpassungsfähig sind.
00:34:48: bessere Synapsen auch haben, was uns gefällt und was uns nicht gefällt.
00:34:52: Weil wir sehr viel und sehr häufig mit einem Gefühl konfrontiert waren und auch unterschiedliche Gefühle.
00:34:57: Das heißt man ist auch sehr adaptiv also da auch mehr so diesen Blick drauf zu bekommen.
00:35:02: das war eine ganz große Aufgabe für mich und ist auch noch eine ganz ganze große Aufgabe dass es halt nicht nur in diese Destruktivität kommt weil die kann auch unglaublich lähmend sein Und ich versuche mich da trotzdem ja in einem Balanceakt.
00:35:20: Man darf auch wirklich mal destruktive Scheiß-Tage haben, aber dass man trotzdem aufpassen sollte, das es nicht zu so nem inneren Glaubenssatz wird, sodass gute Sachen da keine Chance mehr haben zu wirken?
00:35:32: Ja absolut!
00:35:32: Ich hatte vor zwei Wochen hier ein Gespräch mit Maja Göppel an dieser Stelle die ich sehr, sehr schätze, die ja auch finde ich einen sehr besonderen Blick auf Gesellschaft und Veränderung und das Leben hat und eines meiner Lieblingszitate von ihr beziehungsweise sie rezitiert das immer ist, Im besten Fall.
00:35:49: Der Optimismus des Willens einsetzt, nachdem dich der Pessimismus des Intellekts durchfahren hat.
00:35:57: Also in Sinne von es ist richtig scheiße passiert oder so und das sollst du auch spüren, das solltest du wahrnehmen.
00:36:03: also jedes Gefühl hatte eine Daseinsberechtigung aber sich dann hinzustellen und zu sagen okay jetzt haben wir ihn befunden Und was mache ich denn damit?
00:36:11: Der Grad ist zwar schmal, aber diese Diskrepanz, das heißt ja nicht, dass du die schlechten Sachen glorifizieren sollst.
00:36:18: Du sollst jetzt nicht ein Dankesbrief an Nordhäuser Doppelkorn schicken weil dein Vater da einfach Stammkunde war und auf der anderen Seite auch nicht das Gegenteil machen sondern die Ausschläge sind im Leben immer relativ groß und irgendwann dann mit der Zeit werden sie wahrscheinlich ein bisschen kleiner und dann findet man dann irgendwo so seine Mitte.
00:36:36: Ich finde, was ich auf ganz viele Gesellschaftsbereiche anwenden lässt.
00:36:39: Ob wir jetzt über LGBTQ reden?
00:36:41: Ob wir über Rechtsrucksprechen, ob wir über Klimawandel sprechen oder so chronische Erkrankungen wie mit CFS sprechen die einfach... noch nicht erforscht sind aus verschiedenen Gründen, das hat ganz viel ja auch was irgendwie mit Resilienz zu tun.
00:36:53: Und zu spüren wie viel Kraft in jedem davon uns halt steckt und dann einfach zu sagen dass da also alles was da ist darf sein und dann so gucken zu sagen ich bin die Summe all dieser Dinge finde ich es glaube ich so die gesündeste Art.
00:37:07: Ich glaube es gibt dir eine unglaubliche Freiheit an sich eine Vorstellung davon zu haben.
00:37:14: Ich habe hier eine Wahl.
00:37:16: Und man kann sich dafür entscheiden zu sagen, ich hab jetzt also radikale Optimismus!
00:37:21: Ich hab keinen Bock mehr darauf.
00:37:23: Ich entscheide mich anders und ich glaube wenn du irgendwann die ganze Summe betrachtest dann hast Du halt ne größere Wahlmöglichkeit anstatt die ganze Zeit mit dem einen zu hardern das andere wegzudrücken und ich will doch eigentlich die Person sein.
00:37:36: aber Wenn alles darliegt und Du alles zulässt?
00:37:39: Dann weißt Okay Das bin ich.
00:37:41: Und jetzt kann ich mich aber dazu entscheiden, zu sagen heute mal nicht.
00:37:46: Das kann auch vielleicht mal heute mal nie sein.
00:37:48: Ich muss jetzt nicht sagen dass du den ganzen jeden Tag in der Woche aufstehst und sagst meine Güte mein Leben ist wunderbar und toll!
00:37:55: Nein, aber kannst irgendwann mal sagen Heute halt nicht.
00:37:59: Heute entscheide ich mich dafür, mich nicht aus der Bahn werfen zu lassen weil ich vielleicht gestern irgendwie ein bisschen Energie getankt habe und heute mich dazu fühle dass du einfach so zu machen und von daher glaube ich wenn man da auch eine radikale Ehrlichkeit zu sich selber bemüht gibt das eine gewisse Form der Freiheit.
00:38:15: man ist selbst bestimmter und ich glaube das gibt dann auch ein bisschen mehr Möglichkeit durchzuatmen
00:38:22: Ja und sich vielleicht auch gar nicht den Druck zu machen, zu überlegen was ist denn morgen.
00:38:24: Was es übermorgen sondern wie du schon gesagt hast einfach Sich für den tag heute oder für die nächste stunde für was auch immer sich dafür zu entscheiden.
00:38:31: ja Also mir wird ich habe das auch schon an anderer stelle mal gesagt er kathole mittlerweile viel zu inflationär zitiert.
00:38:38: Aber aber er hat recht der wichtigste moment ist jetzt so.
00:38:42: wir haben halt Wie du so schön gesagt hast gerade einfach jeden tag aufs neue die freiheit gewisse dinge zu entscheiden.
00:38:48: Und wenn ich jetzt zum beispiel hier im bett liege und gewisse dingen nicht machen kann.
00:38:52: Kann ich aber gucken, wie arbeite ich mit dem Zustand in dem ich mich gerade befinde und was kann ich machen?
00:38:56: Und dann schreibe ich Lena Kassel über LinkedIn eine Nachricht und frage ob sie Bock hat mir eine Podcastfolge aufzunehmen und freue mich darüber!
00:39:03: Also du bist der lebende Beweis
00:39:06: also definitiv.
00:39:07: Ja boah ne, auf das Podest möchte ich mich jetzt nicht stellen lassen irgendwie... Der Kern dahinter ist schon der Passende.
00:39:17: Es gibt Momente in denen haben wir nicht die Wahl, es gibt Momenten in denen habe ich die Wahl und ich glaube dass das einfach wichtig ist, die dann auch beim Schöpfel zu packen und so und das kalle ich mir jetzt.
00:39:26: Absolut!
00:39:28: Gibt's denn so Rückblicken betrachtet?
00:39:30: Ich weiß, dass es schwer gegeneinander aufzuwiegen und du musst auch nicht darauf antworten wenn dir das vielleicht so indiskret ist aber du hast ja nun mal viele Einschläge kassiert in deinem Leben irgendwie.
00:39:39: Gibt es einen von dem du sagen würdest er hat dich besonders geprägt?
00:39:45: Also ich glaube schon, dass der Verlust meiner Eltern der dolzte Schlag war.
00:39:55: Weil ich glaube jeder, der einen ganz lieben Menschen in seinem Leben verloren hat, der weiß das damit so eine gewisse Form der Erschwitterung einhergeht was das Urvertrauen angeht Und wenn wir irgendwann auf die Welt kommen oder gekommen sind, dann haben wir dieses Urvertrauen.
00:40:12: Es wird schon irgendwie alles gut um uns sich gekümmert ja?
00:40:15: Als Baby hat man ja so rudimentäre Bedürfnisse und man weiß eigentlich, man hat da jemanden der kümmert sich.
00:40:21: Dann liest man im weiteren Verlauf des Lebens irgendwelche schlimmen Sachen und man denkt immer Ja mir passiert das ja nicht!
00:40:27: Also weil man so einen Ur-Vertrauen einfach hat, so sind wir Menschen gebaut.
00:40:32: Wenn dann schon nicht nur ein Elternteil stirbt sondern auch noch das zweite relativ früh.
00:40:38: Dann denkst du dir so, hä?
00:40:41: Und dann hat das glaube ich noch mal ein bisschen ... war es eine Form von Self-fulfilling Prophecy.
00:40:46: Ich hab's ja vorhin erzählt, dass ich phasenweise immer noch das Gefühl hatte okay mir passieren hier schlimme Dinge und ich bin nicht sicher und ich warte eigentlich nur darauf, dass der nächste Supergau passiert.
00:40:57: Und als dann eine Woche bevor mein Buch veröffentlicht worden ist wo ich meine Lebensgeschichte aufgeschrieben habe.
00:41:07: Meine Mutter stirbt, da denkst du dir so okay, wer schreibt hier das Drehbuch?
00:41:13: Sind wir hier bei?
00:41:14: Verstehen Sie Spaß?
00:41:16: Meine erste Lesung war dann am Muttertag auch noch... Also da kommen so viele Dinge zusammen, wo ich mich frage was soll mir das jetzt hier gerade zeigen?
00:41:26: Universum Ich hab' das ja schon mal durchgemacht.
00:41:28: warum denn jetzt?
00:41:31: Und das war schon tough.
00:41:33: Das war schon sehr tough, vor allen Dingen weil ich zu der Zeit auch überhaupt gar nicht bereit war für ein Trauerprozess Weil ich halt gerade dieses Buch rausgebracht hatte eine Lesetour-Anstand Ich nonstop funktionieren musste und ich auch dass mir nicht nehmen lassen wollte Ja und ich nicht kapitulieren wollte vor dem Leben selbst Dass manchmal anders spielt als man es sich vielleicht überlegt hatte.
00:41:57: ja und dementsprechend war da Ja, so sehr schwierig für mich zu verarbeiten.
00:42:04: Und das meine ich auch mit dem... manche Dinge sind sinnlos und ich sehe natürlich im Tod an sich jetzt meiner Mutter und auch in Tod meines Vaters absolut keinen Sinn.
00:42:17: aber es hat mir natürlich schon eine Betrachtungsweise eröffnet, die ich zuvor noch nicht hatte.
00:42:23: Weil wir natürlich auch in einer Gesellschaft leben wo mit dem Thema Tod sehr wenig umgegangen wird.
00:42:30: Tod heißt ja in Deutschland irgendwie Friedhof heisst Krankenhaus, man redet nicht darüber und man weiß selber nicht so richtig wie man damit umgehen soll.
00:42:39: wenn man jetzt bei einem Bekannten damit konfrontiert ist was macht man da?
00:42:44: Und tatsächlich hat da eine Mexiko-Reise ganz, ganz viel in mir auch geheilt.
00:42:49: Die ganz anders mit dem Tod umgehen und sie ganz fest der Überzeugung sind das es nicht das Ende sondern ist es ganz wichtig dass man sich immer noch die Toten in Erinnerungen ruft und sie quasi weiterleben lässt.
00:43:03: Insofern dass man über sie spricht und sie kommen ja einmal im Jahr sogar zu ihnen nach Hause an Dia de Muertos und sie feiern zusammen und credenzen eventuell das Lieblingsessen.
00:43:13: Und das hat mir eine ganz, ganz neue Perspektive auf das Thema Tod und auch das Thema Trauern gegeben.
00:43:19: Das war ganz heilsam.
00:43:21: Aber wenn du mich fragst, was hat mich richtig aus der Bahn geworfen?
00:43:25: Dann war das schon der Tod von meiner Mutter, der erst vergangenes Jahr war.
00:43:29: Also auch noch sehr frisches.
00:43:33: Wo ich einfach nicht damit gerechnet hätte, dass es mir so früh nochmal passiert.
00:43:38: Es kam so wirklich out of nowhere!
00:43:41: Ja, ich meine du bist einunddreißig.
00:43:43: Ich habe es eingangs ja gesagt irgendwie und mit einund dreißig beide Eltern schon nicht mehr zu haben finde ich ist krass das ist heftig.
00:43:49: dass ist was womit man sich in dem Alter einfach noch nicht beschäftigt oder zumindest ganz ganz selten zum glück für viele ja nur.
00:43:56: aber ich find auch da wieder was du gerade gesagt hast.
00:43:58: es darf ja gleichzeitig sein du darfst auf der einen seite darfst du sagen es ist vollkommen sinnlos vom gefühl ja man muss da nichts schön reden und auf der anderen Seite hattest dir auf gewisse dinge irgendwie eine neue betrachtungsweise gegeben.
00:44:09: Und ich finde auch so schön, dass du Mexiko da mit einbeziehst.
00:44:13: Weil – Ich habe hier vor ein paar Wochen auch eine Folge zum Thema Trauerbewältigung aufgenommen.
00:44:17: Da kam das auch auf.
00:44:18: also Tod als Tabuthema bedeutet in Deutschland wie du schon gesagt hast einfach viele Menschen in schwarzer Kleidung auf einem Friedhof und es ist einfach alles ganz furchtbar was ja auch so ist.
00:44:28: auf der einen Seite Ja?
00:44:30: Und natürlich ist Trauer gerade ein Trauerprozess eine Bewältigung was hoch individuell ist.
00:44:35: Das entscheidet natürlich jeder für sich, wie er das irgendwie macht.
00:44:37: aber ich glaube dass es schon auch gut ist wenn man diese Dinge einfach mal rein lässt und einfach sich da drauf einlässt und einfach mal guckt was gibt es denn noch?
00:44:48: Also da reden wir jetzt nur nicht von den ganz großen Fragen also was war davor, was kommt danach usw.
00:44:53: Aber so etwas einfach mal einzulassen und das auch wirken zu lassen, das darf da sein weil sonst holt es einen sowieso immer und immer wieder irgendwie ein.
00:45:02: Ich wollte gerade sagen, wie Sie es in Mexiko handhaben.
00:45:05: Da hast du dann auch noch das Gefühl, du bist nicht ganz so unmächtig.
00:45:08: Du kannst dich jedes Jahr damit beschäftigen, wie du's gerne
00:45:10: möchtest.".
00:45:12: Ja und auch die Friedhöfe dort gestaltet sind, ne?
00:45:14: Das sind bunte Grabsteine mit Lichterketten versehen!
00:45:18: Und tatsächlich auf der Beerdigung meiner Mutter durfte auch keiner in schwarz kommen... ...und auf ihrer Todeskarte stand der Satz Seid nicht traurig ich bin euch nur vorausgegangen.
00:45:30: Ja, sie hatte sowieso dadurch dass sie lange auch im Hospiz gearbeitet hat und selber am Ende dort lag.
00:45:36: Also das ist natürlich auch noch mal ganz besonders hatte sie auch einen ganz anderen Umgang mit Tod.
00:45:40: ihr Leben lang schon und hatte auch glaube ich keine Angst vor dem Tod und war für uns aber natürlich auch schwierig damit umzugehen weil wir hatten die Konfrontation halt nie.
00:45:52: Dann auf der anderen Seite so jemanden zu haben ja so sehr in sich ruhen, damit umgeht und irgendwie sagt hey seid nicht traurig wir sehen uns wieder und so eine tiefe Überzeugung dafür hat dass das so ist.
00:46:06: Und man selber sich gerade noch ein bisschen austariert Ja was glaube ich denn eigentlich?
00:46:10: Glaub ich eigentlich an einem Leben nach dem Tod?
00:46:12: Glaube ich also was ist da?
00:46:14: Ich weiß aber jetzt... Ich glaube vor allen Dingen an ein Leben vor dem Tod, das meine ich mit dieser Demut vor dem Leben selbst.
00:46:20: Ich habe Lust zu leben!
00:46:22: Ich hab Lust irgendwie hier zu sein weil ich ganz genau weiß dass es ganz schnell auch vorbei sein kann.
00:46:27: und wenn es eine Lehre gibt ja aus dem Tod meiner Eltern dann ist es die.
00:46:34: Das ist die für das Hier-und-Jetzt.
00:46:35: aber wo du mit den Ball gerade schon auf den Elfmeter Punkt legst und nicht quasi jetzt nur noch das Ding quasi rein machen musst bist Du denn ein gläubiger Mensch?
00:46:43: Tatsächlich nicht, also ich glaube nicht... Also sagen wir so.
00:46:46: Ich glaube nicht an das Klassische was wir so verhandeln als Glaube.
00:46:50: Also ich glaube nie an Gott oder an die Kirche oder eine bestimmte Religion aber ich glaube daran dass manche Dinge genauso passieren sollen wie sie passieren sollen.
00:47:02: Ich rede dann immer gerne vom Universum, was irgendwas für mich vorbereitet hat wovon ich noch keine Ahnung habe.
00:47:09: Aber ich habe damit so ein bisschen meinen Frieden gefunden, dass manche Dinge genau deshalb passieren weil sie passieren sollen.
00:47:17: Ich klammere da jetzt den Tod meiner Eltern mal aus.
00:47:20: das hat so ein bissel mein mein mein Mein Glaube.
00:47:23: und ja doch Glaube erschüttert daran.
00:47:26: aber in ganz vielen kleinen unterschiedlichen anderen Sachen sehe ich das Ja Und manchmal hilft es wirklich so einen Perspektivwechsel zu bekommen.
00:47:35: Wenn man denkt, ja okay da ist vielleicht eine Sache blöd gelaufen aber wer weiß?
00:47:39: Vielleicht soll es mir die und die Sache zeigen und vielleicht soll ich mich jetzt einfach ein bisschen mehr in Geduld üben oder keine Ahnung war's?
00:47:45: Ja.
00:47:45: also da wirklich zumindest an etwas zu glauben, ist sehr hilfreich um irgendwie durchs Leben zu kommen.
00:47:52: Also ich kann das schon nachvollziehen warum Menschen religiös sind?
00:47:56: Ich kann das sehr sehr nachvollzehn.
00:47:57: für mich aber die Institutionen die da sind keine Option und deshalb habe ich meinen eigenen Glauben insofern definiert dass ich ans Universum glaube
00:48:07: Resoniere ich auch sehr mit, ist auch was, was ich auch immer sage.
00:48:09: Also für mich sind Glaube und zum Beispiel Institutionen Kirche zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.
00:48:13: Das kann man nicht miteinander vergleichen.
00:48:15: also ich finde zum Beispiel dass die Arbeit an der Basis, also Gemeinderarbeit zb oder sowas das ist was super wichtiges.
00:48:21: das ist ja fast vergleichbar wie in einem Fußballverein.
00:48:24: da geht es ja auch darum, dass man einen Ort hat wo man hin kann Menschen für einen da sind und das ist schon super wichtig.
00:48:29: Kirche als Institution klammern wir jetzt einfach mal aus ohne jemandem auf den Schlips zu treten oder wir klammern uns aus um jemandem auf den Schlips zu treten.
00:48:38: Und ansonsten ist es, wie du schon gesagt hast, glaube ich eigentlich egal welchen Namen man dem ganzen gibt ob ich das jetzt Gott nenne oder Universum oder das fliegende Spaghetti-Monster völlig wutscht eigentlich.
00:48:50: Es ist etwas woran man sich ein Stück weit vielleicht festhalten kann und die Antwort auf diese Frage werden wir alle so oder so irgendwann bekommen.
00:48:57: also dass es eines der wenigen Dinge die nicht verhandelbar sind an dieser ganzen Geschichte.
00:49:04: Und deswegen finde ich es auch so toll, dass du sagst, es geht darum halt das hier und jetzt zu genießen.
00:49:09: Das ist auch was, was ich ja in der betroffenen Bubble bei ME-CFS sehr häufig erlebe.
00:49:14: Also ich mache seit zwei Jahren diese Öffentlichkeitsarbeit und in diesen zwei Jahren sind jetzt schon insgesamt neun Menschen nicht mehr da die ich kenne, die auf der einen oder andere Art freiwillig aus dem Leben getragen haben.
00:49:26: Was heißt freiwillige?
00:49:26: Sie wollten ja leben!
00:49:28: Aber dann eben sie nicht mehr ertragen
00:49:30: haben...
00:49:31: Ja, genau.
00:49:32: Und ein, finde ich Beispiel was man da sehr gut gerade heranziehen kann wo du das erzählst, was du erzählt hast ist die Liebe Carti.
00:49:39: Die ist jetzt glaube im März dieses Jahres durch Assistierten Suizid gegangen eine wahnsinnig lebensfreue junge Frau und ja auch gesagt hat ich möchte gerne leben aber ich ertrage es Ich kann es einfach so nicht mehr und sie hat ihren Instagram Account genannt Freu dich nicht zu spät!
00:49:57: Das finde ich eigentlich etwas vielleicht am besten umschreibt.
00:50:00: Und wie man das dann nennt, Universum oder wie auch immer spielt dann vielleicht keine Rolle sondern die Frage ist dann was du draus machst so ne?
00:50:07: Ja und ich glaube natürlich auch dass Menschen die ja schon einige Rückschläge zu bewältigen hatten oder Schmerz erlitten haben, vielleicht auch noch mal ein bisschen zugänglicher sind wenn es um das Ökosystem Glauben geht.
00:50:25: Ich meine, man hat es ja dann auch vielerlei Beispiele.
00:50:29: Dass Menschen die im Gefängnis sind, dann plötzlich zum Glauben finden und so weiter und sofort weil ich glaube schon dass wenn du nichts mehr hast oder an der ganz tief dunklen Stelle bist Ja Dann ist ein der Glaube an etwas etwas was dich wieder so ein bisschen aufrichten kann Weil sonst ist es sinnlos dann fällt es halt schwer, den Zugang zum Leben wieder zu finden.
00:50:53: Also... und ich glaube wenn Menschen noch nicht an so einem Punkt waren oder wo's auch mal richtig scheiße war, dann fällt das ihnen leicht zu sagen, ah brauche ich doch alles nicht ne?
00:51:03: Ja weil's halt irgendwie läuft.
00:51:05: aber wenns halt nicht läuft wer ist da noch da?
00:51:07: was ist da was dich aufrichtet?
00:51:09: ja Und ich glaube da können ganz viele Leute mit etwas anfangen die schon ein bisschen mehr gelitten haben.
00:51:17: Dann kommt der Blick einfach ganz automatisch auf die wirklich wesentlichen Dinge.
00:51:21: Es klingt immer so abgedroschen, wenn man sagt, man wird für so vieles sehr viel dankbarer und demütiger.
00:51:27: Aber nur weil es abgedrochen ist, ist es ja nicht weniger wahr.
00:51:30: Ich glaube das ist ein ganz wichtiger Punkt!
00:51:33: Und ich finde, du bist auch einfach ein wahnsinnig gutes Beispiel dafür.
00:51:36: Ja nicht weil Du mit Kratzen und Beißen jetzt um jeden Preis irgendwie versucht hättest da hinzukommen wo Du bist sondern weil Du auch die Türen einfach oder Du bist durch die Türe gegangen die sich dann irgendwie geöffnet haben auch trotz Deiner Vergangenheit.
00:51:48: Neben all den Themen, über die wir jetzt schon gesprochen haben ist ja nun mal auch Thema dass du auch einfach erfolgreich bist in einem Bereich der eine absolute Männerdomäne ist.
00:51:57: Ja das kommt ja auch noch einfach mit dazu.
00:51:59: Du hast ja auch die letzten Jahre und in den Jahren in denen du ob jetzt bei Amazon oder The Zone oder vorher vor allem bei der Sportshow deine Erfahrungen gesammelt, dass das ja wirklich nicht leicht ist.
00:52:11: zum Glück auch da kann man sagen vielleicht Ja, bist jetzt vielleicht so hochgegriffen zu sagen eine Parallele zur MECFS.
00:52:16: Aber es hat sich ja schon ein bisschen was getan.
00:52:19: Darauf wollte ich hinaus.
00:52:20: Es hat sich etwas verändert.
00:52:23: Nichtsdestotweniger ist da.
00:52:24: trotzdem glaube ich immer noch viel Luft nach oben.
00:52:28: oder wie empfindest du das?
00:52:30: Ich glaube mein Haupt Aspect ist, wenn wir über das Thema Diversität sprechen, dass wir immer über Gender sprechen.
00:52:37: Das ist ein riesiger Punkt und da haben wir vieles in den letzten Jahren richtig gemacht und es sind viel mehr Frauen dort und da entwickelt sich wirklich.
00:52:46: was für mich ist Diversitet aber mehr als nur das Geschlecht.
00:52:50: ja Es geht für mich um eine unterschiedliche Abbildung von Menschen aus unterschiedlichen sozialen Umfeldern unterschiedlicher Identitäten unterschiedlicher Hautfarben unterschiedlicher Körpermaße, unterschiedlicher Sexualitäten.
00:53:05: Und da sind wir leider noch nicht weiter muss ich sagen.
00:53:09: also Ich finde schon dass die Branche in der ich mich bewege nach wie vor sehr elitär ist.
00:53:17: Sehr viel Establishment.
00:53:20: Wir reden über die sogenannten Geroldsteiner Kinder, so nenne ich sie.
00:53:24: Es gibt ein paar Ausreißer, aber ich sage mal das Groh der Menschen in diesem Sportbereich arbeiten.
00:53:30: Das sind Kinder gewesen, die damals das Gerolsteiner Wasser hatten und nicht den Sodamax.
00:53:35: Und das ist schon etwas wo... immer noch Schwierigkeiten habe, mich vollumfänglich zugehörig zu fühlen in dieser Branche.
00:53:45: Das merke ich immer wieder und ich kann mir vorstellen dass ganz viele junge Menschen die vielleicht ja die Sportschau das Sportstudio Magenta TV The Zone anmachen und denken da fühle ich mich nicht repräsentiert!
00:53:59: Und das ist mein Anliegen vielleicht dann auch mit meiner Geschichte nach außen gegangen bin, weil mir man ja nicht ansieht.
00:54:10: Was ich vielleicht... Ja, alles verkörpere und vielleicht auch was an mir eine Minderheit darstellt.
00:54:17: Und das ist eben etwas wo ich schon der Meinung bin darüber sollten wir sprechen um dann eben Repräsentationen für Menschen zu ermöglichen die sich sonst nicht so abgeholt fühlen.
00:54:27: Dementsprechend würde ich mir das noch viel mehr wünschen von Menschen in meiner Branche dass sie ein bisschen offener sind was ihre eigene persönliche Biografie angeht um eben eine eventuelle Repräzentation für Menschen dazu stellen eigentlich nicht abgeholt fühlen.
00:54:43: Und diese Menschen gibt es, die zeigen sich noch ein bisschen zu wenig oder werden nicht sichtbar genug gemacht?
00:54:48: Das ist immer eine Frage der Perspektive aber deshalb ist das immer so.
00:54:51: ein bisschen noch die Sache dazu, die ich sagen möchte wenn man mir die frage stellt... und so weiter und so fort.
00:55:00: Ja, ist so!
00:55:01: Aber mein Anliegen ist gar nicht dass es zu viele Männer gibt sondern es gibt zu wenige andere Menschen in ganz ganz unterschiedlicher Ausprägung.
00:55:09: und das ist mir ein Anliege und das is' das was ich meine wenn ich sage ich wünsche mir mehr Diversität in den Redaktionen weil ich jetzt als unglaublich große Chance empfinde eine größere Zielgruppe zu erreichen andere Geschichten zu erzählen sie anders einzufärben und dadurch einfach ne komplett andere andere Darstellung und Bandbreite anzubieten.
00:55:31: Ja, das hast du sehr schön gesagt!
00:55:34: Denn zur Wahrheit gehört mit dazu – ich finde es gut, dass du es jetzt noch mal explizit auch so gesagt hast – Ich bin ein Mann!
00:55:41: Aber auch ich fühle mich oft nicht repräsentiert.
00:55:45: Ich habe ja vor allem die meiste Zeit meines Lebens beim NDR gearbeitet, aber du weißt einfach selber wie das ist durch die Sportshow-Erfahrung bei dem WDR und so.
00:55:53: Das sind halt fast Behördenstrukturen, das ist einfach wahnsinnig viel Bürokratie.
00:55:58: Und wo wir gerade bei dem Thema sind sagen was doch mal einfach wie es ist... Ja, immer noch viele alte weiße Männer, die da halt ihre Fäden ziehen und die das sagen haben.
00:56:07: Und die einfach seit dreißigvierzig Jahren sagen, wir sind schon immer so gemacht und so bleibt es halt eben auch.
00:56:12: Und gerade in der Zeit, in der wir uns befinden glaube ich ist es fatal für diese Medienunternehmen wenn sie sich dem nicht öffnen ja?
00:56:19: Einfach weil es immer mehr Diversität gibt und zwar nicht weil wir das irgendwie uns ausdenken oder so sondern weil dass das Leben der Menschen isst und sich das so entwickelt.
00:56:29: und ich glaube Das ist was, das ich in den letzten Jahren immer und immer wieder am eigenen Leib zu spüren bekommen habe.
00:56:35: Dass wir als Medienmacher raus müssen aus diesem Elfenbeintour mehr auf Augenhöhe mit dem Menschen unterwegs sein.
00:56:44: Da ist das einfach ein riesengroßes Thema.
00:56:46: Es gibt doch eigentlich keine größeren Themen als Persönlichkeitsentwicklung, als die Identität, dass die Menschen sein dürfen, wer sie sind.
00:56:53: Weil ich meine, die ganzen Probleme, die wir haben, sind ja genau aus diesem Zeitgeist entstanden.
00:56:57: Dass ständig irgendwas vorgegeben wird und die Menschen daran verzweifeln weil sie nicht so sind wie man zu sein hat was die Gesellschaft sagt.
00:57:07: jede Struktur, ob wir über sexuelle Orientierung sprechen oder im Beruf oder was auch immer.
00:57:12: Was man wie zu machen hat und wenn du das nicht nicht erreichst dann bist du halt niemand sozusagen und das ist ein großes Ding
00:57:19: Und du fühlst dich halt einfach nicht abgeholt, du fühlt sich nicht repräsentiert.
00:57:24: Du denkst ja die machen da halt irgendwas, entscheiden irgendwas, senden irgendwas und eigentlich boah was ich hier zu sagen habe oder was ich will das spielt eigentlich gar keine Rolle mehr.
00:57:34: es sind immer die gleichen Leute die erfolgreich sind.
00:57:36: Es ist immer die gleiche leute die sichtbar sind.
00:57:39: Ja dass man da irgendwann unzufrieden wird und sich abwendet und innerin Ärger und Groll empfindet.
00:57:46: Ich kann das verdammt nochmal nachvollziehen
00:57:50: Was so absurd ist, weil man sich ja überlegt als Medienmacher.
00:57:52: Für wen mache ich das denn hier eigentlich?
00:57:54: Ja, das stimmt!
00:57:55: Ich glaube die Frage sollte man sich ein bisschen mehr und häufiger stellen für wen mache es hier eigentlich.
00:58:00: Und das ist etwas, glaube ich, wo wir noch einfach noch ein bisschen die Hausaufgaben machen dürfen.
00:58:05: Und ich glaube schon dass natürlich dadurch, dass wir so ein zartes Flänzchen haben.
00:58:10: was da gerade wächst, ist meine Hoffnung, dass auch gerade in diesen Entscheidungsträgerinnen Positionen Hoffentlich auch andere Leute kommen als eben die besagten Personen, die du angesprochen hast und das sich damit dann auch etwas entwickelt.
00:58:25: Weil wenn du einmal an der Entscheidungsträger-Innenposition jemanden hast, der Bock hat auf Diversität, der bock hat auf was Neues, der Bock hat auf Veränderung... Dann ist es ja so, dann verändert sich Redaktion!
00:58:35: Und wenn sich die Redaktionen verändert, verändert sich Klima Und die Leute, die in der Redaktion arbeiten sprechen vielleicht auch wieder andere Leute an und so weiter und sofort.
00:58:43: Also dann kommt ein Ding ins Rollen und einmal muss halt der Stein fallen?
00:58:48: Ja!
00:58:48: Und das Schöne ist ja redaktionelle Entscheidungen sind ja bewusste Entscheidungen.
00:58:51: Das heißt man kann es sogar auch ein Stück weit steuern und da ist es ja das wo dann einfach glaube ich gerade viel Hoffnung drin liegt.
00:58:58: und warum mich es auch einfach so wahnsinnig toll finde dass Menschen wie du da sind die laut sind für dieses Thema die dann so einen Buch schreiben Wie sie sich dahin stellen, auch wenn ein ehemaliger Sport-Schau-Chef mal zu dir gesagt hat ne du bist so bunt und zu laut.
00:59:12: Und nee genau so bist du richtig und genauso bist du gerade erfolgreich.
00:59:16: Das ist ja auch das Schönste was eigentlich passieren kann.
00:59:20: Das was man dir dann eben auch anmerkt.
00:59:22: Zumal... Du ja auch gar nicht und das fand ich auch einen spannenden Aspekt.
00:59:27: So wahnsinnig gerne im Mittelpunkt stehst!
00:59:30: Und das ist was, was mich selber abgeholt hat.
00:59:31: Ich bin eigentlich, obwohl ich zwanzig Jahre Radio und Fernsehen gemacht habe eher so der introvertierte Typ.
00:59:37: Und dieses Spannungsfeld finde ich bei dir auch noch mal ganz cool weil ich das selten bei Kollegen oder Kolleginnen höre.
00:59:41: Weil du hast entweder nur die, die einfach ständig mit Bauchschmerzen auf die Bühne gehen und sagen, aber ich brauche das Geld?
00:59:46: Oder ich verdiene halt hier
00:59:47: gut?".
00:59:48: Und die anderen, die sagen mir gehört die Welt!
00:59:50: Ich bin die große
00:59:51: Rampensau.".
00:59:52: Und dieses dazwischen... Das hab' ich halt relativ selten.
00:59:55: Wie ist es bei dir?
00:59:57: Ich würde mich als introvertierter Extrovert bezeichnen.
01:00:00: Ja, super!
01:00:03: Also ich glaube schon dass sich im Verlauf der vergangenen Jahre selbstbewusster sein musste als ich eigentlich bin um natürlich auch in irgendeiner Form in diesem Leben zurechtzufinden und ich glaube durch mein Großwerden schon so ein bisschen gelernt habe, sehr, sehr angepasst zu sein.
01:00:25: Und eher immer das Gefühl hatte darf ich hier überhaupt sein?
01:00:31: Kann ich überhaupt mit dabei sein?
01:00:33: Mag man mich überhaupt?
01:00:34: und um das zu gewährleisten dass ich hier sein darf habe ich natürlich immer einen kleinen Affentanz aufgeführt.
01:00:41: Insofern, dass ich alles dafür getan habe, das man mir das Gefühl gibt, ich darf hier dazugehören und das funktioniert natürlich nicht durch Rückzug!
01:00:50: Das funktioniert natürlich... Ich gebe euch ein geiles Gefühl wenn ihr mit mir abhängt.
01:00:54: Und das war aber wahnsinnig unauthentisch weil eigentlich waren wir nicht immer danach.
01:00:58: Eigentlich war mir danach auch manchmal einfach in der Ecke zu sitzen und nicht diejenige zu sein, die sich irgendwie nach vorne stellt.
01:01:04: Und nach vorne prescht und irgendwie im Zentrum der Aufmerksamkeit steht.
01:01:09: aber ich habe das gemacht als ganz perfide Überlebensstrategie.
01:01:14: Ich glaube schon dass es einen ganz großen Anteil an Menschen gibt, die damit sehr relating können weil man sagt nicht umsonst Es gibt ein paar Unterschiede zwischen Selbstbewusstsein und Selbstwert Und ich glaube, der eigene Selbstwert, der führt und nähert so ein bisschen diese Introvertiertheit.
01:01:34: Bin ich überhaupt gut genug?
01:01:36: Kann ich das überhaupt?
01:01:38: Eigentlich bin ich doch nicht gut genug – all das!
01:01:41: Und dass selbstbewusst sein, das richtet sich nach außen.
01:01:43: Das ist das was davor steht.
01:01:45: Dass es die Version, die wir gerne sein wollen würden weil es nicht nach innen geht.
01:01:49: Und das würde ich immer unterscheiden.
01:01:52: Ich habe ein großes Selbstbewusstsein Aber ich habe, glaube ich einen geringeren Selbstwert.
01:01:59: Und diese beiden Sachen spielen irgendwie alle auf dem gleichen Spielfeld?
01:02:07: Ja!
01:02:07: Ich relate total damit auf jeden Fall gerade weil ich die Erfahrung gemacht habe und du ja auch dass das halt sehr trügerisch ist also dass es einfach seinen Preis hat den Du ja auch gezahlt hast.
01:02:18: Absolut und ich glaube nichts kostet so viel Energie wie wie wenn man nicht authentisch ist.
01:02:25: Also jemanden vorzugeben, der man nicht isst das ist wahnsinnig anstrengend und ich kann nur für mich sagen irgendwann hat sich mein Körper gemeldet Ich konnte nicht mehr schlafen.
01:02:36: ich habe gemerkt ich gebe hier irgendwas vor was ich nicht bin.
01:02:39: Der Druck war immens Und ich bin dann halt irgendwann daran zerbrochen.
01:02:42: so und ich glaube die große große lebensaufgabe Die ich für mich gesetzt habe ist dass ich die Dinge mache wo ich mich wohlfühle Wo ich mich zugehörig fühle weil sonst komplett in die Hose geht, weil ich weiß dass mein Körper sich meldet.
01:02:57: Also der steuert mich komplett und ich habe ihn auch oft dafür verteufelt und meinte so Mann warum denn jetzt?
01:03:03: Warum kann ich nicht einfach schlafen!
01:03:05: Aber er war immer ein sehr guter Seismograph für mich wenn etwas nicht in die richtige Richtung gelaufen ist also für alle Leute da draußen.
01:03:13: wirklich Auch der Körper sagt einem manchmal schon ganz gut das ominöse Bauchgefühl Das ist schon auch da und das hat eine Berechtigung.
01:03:25: Ja, bei dir selbst Wahrnehmung und Findung im Schnellwaschgang!
01:03:29: Also du hast das ja jetzt in Jahren gemacht, wo andere vielleicht gar nicht hinkommen oder erst mit einundsechzig oder so.
01:03:34: Oder später wie auch immer.
01:03:36: Ich glaube zwar, dass ist ein Prozess.
01:03:38: also selbst auf dem Sterbebett wird man noch irgendwelche Eingebung haben, wo man denkt, aha guck mal spannend so, ne?
01:03:44: Aber was ich so toll finde und warum ich dir erstens gerne bei deiner Arbeit zugucke und zuhöre und zweitens auch in deinen Podcasts und auch so bei allem wo du dich zur Wortmeldest ist, Auch wenn das viel gekostet hat, du an einem Punkt bist in deinem Leben wo du sehr strahlst.
01:04:00: Und ich denke, wenn ich in zehn, zwanzig Jahren mal so weit wäre dann wär ich sehr stolz auf mich, wenn nicht dann mal so weid wäre wie du jetzt.
01:04:08: Das ist gar keine Bauchpinsel leise und es wirklich ganz ehrlich gemeint irgendwie.
01:04:11: Ich finde dass er bewundernswert.
01:04:14: Vielen Dank.
01:04:14: Auch an dieser Stelle gesagt, dahinter steckt dreimal die Woche Therapie?
01:04:19: Ja!
01:04:20: Also auch das mal in der ich nach wie vor... Tut uns
01:04:23: allen gut im Übrigen.
01:04:25: Genau, in der mich nach wie vorn noch befinde.
01:04:27: Das war und ist ein hartes Stück Arbeit aber auch eine Entscheidung, die ich ganz bewusst getroffen habe.
01:04:33: Ich möchte mich nicht von dem Dämon meiner Vergangenheit beeinflussen lassen und erst recht nicht in meine Entscheidungsfindung beeinflüssen lassen.
01:04:41: Von engsten fremd bestimmt sein sondern ich habe Lust irgendwann einen Punkt zu kommen, wo ich sage, ich entscheide aus freien Stücken.
01:04:48: Und ich glaube auf dem Weg dorthin befinde mich gerade und ja... Ich glaube das war die beste und die wichtigste Entscheidung, die ich so getroffen
01:04:57: hab.".
01:04:59: Das ist ein richtig schönes Schlusswort wie ich finde!
01:05:02: Lena Kassel.
01:05:02: Absolut
01:05:03: hoffentlich, ja!
01:05:04: Von Herzen vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, das du dich zumindest virtuell hier dazugeschaltet hast in diesem Podcast, dass Du das Ganze mit unterstützt und ich finde es wie gesagt ganz beeindruckend und toll was du tust, was du sagst und dass du einfach bist wie du bist und dafür einfach ein riesengroßes Dankeschön.
01:05:21: Ja Vielen Dank Pascal.
01:05:22: Das kann ich eins zu eins zurückgeben.
01:05:24: Ich habe mich sehr wohl gefühlt und bedanke mich für das tolle Gespräch.
01:05:28: Es hat Spaß gemacht
01:05:29: Das freut mich.
01:05:30: Danke gleichfalls, ganz liebe Grüße zu dir!
01:05:33: Und vielen Dank natürlich auch euch fürs Zugucken, fürs Zuhören.
01:05:36: Auch ihr könnt dieses Projekt hier natürlich weiterhin unterstützen.
01:05:38: Ihr kennt das alles schon indem ihr die Folgen liked, teilt abonniert.
01:05:42: Ihr könnt mir auch finanziell ein kleines bisschen unter die Arme greifen.
01:05:45: Ihr wisst dass es mir immer wahnsinnig unangenehm aber irgendwie gehört's auch ein Stück weit mit dazu damit ich das alles hier überhaupt machen kann für mehr Sichtbarkeit von mcfs.
01:05:52: Ihr können zum Beispiel eine Kanalmitgliedschaft abschließen bei YouTube.
01:05:56: Ihr könnte in die PayPal Kaffee kasse was reinschmeißen.
01:05:59: da läuft ja auch immer so ne kleine Binde durch wo die E-Mail Adresse drin steht.
01:06:03: Und vielen, vielen Dank an dieser Stelle schon an alle die es gemacht haben!
01:06:06: Ansonsten falls ihr betroffen sein solltet hoffe ich dass ihr eine einigermaßen stabile Phase habt oder egal was euch gerade im Leben umtreibt das ihr die Ohren steif haltet und gut da durchkommt.
01:06:17: und ansonsten hoffe ich einfach dass ihr es genauso schön fandet wie ich in dieser Folge dass ihr euch gut unterhalten gefühlt habt informiert abgeholt und ich freue mich dann auf die nächste Folge mit euch bis dahin
01:06:27: du
01:06:27: schon alles hier vor Begeisterung weg gehauen.
01:06:30: bis zum nächsten mal tschüss ihr lieben
01:06:32: Hör mal wer da liegt.
01:06:34: Gespräche
01:06:35: auf Augenhöhe, der Podcast im Bett mit Pascal Hilgruber.
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